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Die UX-Landschaft nach XING FutureMe

29.06.2014 in DeutschGedankenNewsUser Experience  von Katrin Mathis

Letzte Woche hat das Business Netzwerk XING einen neuen kostenlosen Dienst gestartet: FutureMe soll Nutzern des Netzwerks Karrierewege und Neuigkeiten zu relevanten Berufen aufzeigen. Aus meiner Sicht eignen sich die anonymisierten Daten aus etwa 14 Millionen Profilen des führenden Business-Netzwerks aber auch sehr gut für einen Überblick über die User Experience (UX)-Landschaft in Deutschland und der Schweiz.

 

Die erste Hürde besteht darin, aus den 2.300 Berufen die für User Experience relevanten herauszufiltern. Folgende Berufsgruppen habe ich miteinander verglichen:

  • (New Media) Konzepter und Konzeptioner
  • Interaction Designer
  • Informationsarchitekt
  • Usability Consultant
  • Usability Engineer
  • User Experience Designer und Senior User Experience Designer
  • User Experience Architect
  • User Experience Manager

Wie finde ich den richtigen UX-Spezialisten?

Selbst in der Branche sind die Berufsbezeichnungen nicht trennscharf, viele verwenden die Bezeichnungen unterschiedlich. FutureMe bietet einen Überblick, wie diese Berufe im Arbeitsalltag aktuell ausgestaltet sind.

Welche Qualifikationen sind benötigt?

Auf den ersten Blick finden sich viele Überschneidungen zwischen diesen Berufen. Qualifikationen, wie User Experience, Usability, Interaction Design, User Research, Informationsarchitektur, Prototypenbau oder Wireframes bietet jede der Berufsgruppen an. Fast alle beherrschen zumindest Grundlagen des Web Development und auch agile Methoden sind mittlerweile durch alle diese Berufsgruppen hinweg verbreitet.

Qualifikationen von User Experience Konzeptern laut XING FutureMe.
Qualifikationen und Ausbildungsgänge von Konzeptern auf XING FutureMe

 

Damit können grundsätzlich alle diese Berufe Grundforderungen abdecken. Gerade wenn es um spezielle Anforderungen geht, lohnt es sich jedoch die Nuancen zu verstehen. Laut FutureMe bringen Konzepter und Informationsarchitekten zusätzlich Skills im Bereich Online-Marketing mit, kennen sich eher mit Social Media, E-Learning und Web Analytics aus und berücksichtigen auch den Business Case. Interaction Designer bieten zusätzlich audiovisuelle Kommunikation und Flash-Kenntnisse. Usability Consultants und Engineers sind hingegen stärker auf Usability Testing spezialisiert und haben zusätzliche Qualifikationen, wie Marktforschung, Interviews und Online-Befragungen oder Eye-Tracking.

 

Auch ein Blick auf die Ausbildung lohnt sich: Psychologen, vor allem unter Usability Consultants und Engineers zu finden, bringen sicherlich die besten Voraussetzungen für umfangreichen User Research mit. Legt man bereits in der Konzeptphase Wert auf hochwertiges Design, dann ist ein Grafikdesigner von Vorteil. Vor allem unter UX-Designern steht die Design-Ausbildung an erster stelle. Steht hingegen die Funktionalität im Vordergrund, bringen vor allem Konzepter und Informationsarchitekten mit Informatik-Studium das nötige technische Verständnis mit.

In welchem Umfeld arbeiten UX-Experten?

Etwa ein Drittel der Konzepter arbeitet laut XING FutureMe als Freiberufler
Branchen, Unternehmensgröße und Art der Beschäftigung von Konzeptern laut XING FutureMe

 

Über alle Berufsgruppen hinweg arbeitet die Mehrheit bei großen Unternehmen. Diese leisten sich am ehesten Usability Engineers, Informationsarchitekten, Senior UX Designer und UX Manager. Das liegt sicherlich darin begründet, dass die Anforderungsanalyse und Aufbereitung von Unternehmensinformationen am ehesten intern abgewickelt wird, während Senior UX Designer und UX Manager vielfach externe Dienstleister steuern.

 

In mittelgroßen und kleinen Unternehmen sind dagegen eher Konzepter, Interaction Designer und Usability Consultants zu finden. Die Branchen, wie z.B. Marketing & Advertising, Internet oder Public Relations legen nahe, dass es sich bei vielen der Firmen um Agenturen handelt. Gerade mittelgroße und kleine Unternehmen, die nur ab und zu konzeptionelle Unterstützung benötigen, fahren häufig besser mit der Beauftragung einer externen Agentur oder eines Freiberuflers. Diese Form der Zusammenarbeit ist günstiger als ein eigener Mitarbeiter mit geringer Auslastung.

 

Mehr als die Hälfte ist in allen Berufen in Vollzeit angestellt. Mit nur 1 - 8 % liegt die Teilzeitquote deutlich unter der Gesamtquote von 27% in Deutschland (laut Eurostat in 2013). Hier besteht augenscheinlich noch Nachholbedarf für flexiblere Arbeitsmodelle. Freiberufler finden sich am ehesten in den Reihen von Konzeptern, Usability Consultants, Interaction- und UX-Designern. Sie haben den Vorteil, dass sie im Vergleich zu Agenturen häufig günstigere Kostenstrukturen haben. Eine langfristige Zusammenarbeit mit einem Freiberufler lohnt sich beispielsweise, um erste Ideen auszuarbeiten und auf dieser Basis Dienstleister von Anfang an besser briefen und steuern. Viele Freiberufler arbeiten zudem wie ich auch in Netzwerken und können so für jedes Projekt ein Team mit Spezialisten genau für die jeweiligen Anforderungen zusammenstellen.

In welchen Städten und Regionen arbeiten UX-Experten?

Standorte deutscher UX-Experten laut XING FutureMe
Überblendete Orte der genannten Berufe auf FutureMe

Naturgemäß ist das Angebot in den größten Städten am größten: In Berlin, München, Hamburg, aber auch im Rhein-Main Gebiet und im Ruhrgebiet. Außerhalb der Ballungszentren, wie auch in Freiburg, ist die Auswahl an Spezialisten geringer. Für Firmen, die dort ihren Firmensitz haben, ist von Vorteil, dass sich Konzepte nach gemeinsamen Workshops in der Regel auch sehr gut aus der Ferne ausarbeiten lassen.

 

Auch bei der Gehaltsspanne zeigen sich z.T. deutliche Unterschiede. So verdienen z.B. Interaction Designer und Informationsarchitekten mehr als Konzepter oder UX Designer. Hat man schon eine konkrete Vorstellung und sucht Unterstützung für eine detaillierte Spezifizierung und einen Prototypen, kann man so bares Geld sparen. Ist man noch nicht so weit, haben gerade Informationsarchitekten ihre Stärken in der Auswertung und Strukturierung von Informationen, die sich schnell auszahlt. Gerade bei strategischen Projekten sollte man die Spezialisten bereits in frühen Projektphasen einbinden und alle Schritte gemeinsam planen.

Fazit

Unklar bleibt die mengenmäßige Verteilung auf die unterschiedlichen Berufsgruppen. Einiges bleibt undurchsichtig, wie z.B. woher die Gehaltsinformationen stammen oder die Auswahlkriterien der zu jedem Beruf gezeigten 25 XING-Profile, die aufgrund des Werdegangs als relevant eingestuft werden. Zusätzlich interessant wären z.B. Informationen zur Geschlechterverteilung.

 

Leider sind die Berufsgruppen im UX Bereich noch nicht wie bei anderen Berufen als verwandte Berufe oder Spezialisierungen miteinander verknüpft. In einigen Fällen machen die Bezeichnungen noch nicht so recht Sinn, wie beispielsweise Senior User Experience Designer als eigene Berufsgruppe zusätzlich zu User Experience Designer. Interessanterweise leitet die Suchanfrage User Experience Consultant auf User Interface Designer weiter - für mich ein riesiger Unterschied. Zu Service Designer gibt übrigens noch gar keine Suchergebnisse, anscheinend gibt es noch zu wenige XING Mitglieder mit dieser Berufsbezeichnung. Es wundert mich jedoch, dass Service Design nicht einmal in den Qualifikationen der oben genannten Berufe auftaucht. Es scheint, als würden immer noch eher wenige den Blick auf den Gesamtprozess über die digitalen Kanäle hinaus in ihre Konzeption mit einbeziehen.

 

FutureMe ist gutes Beispiel dafür, wie Unternehmen vorhandene Daten nutzen können, um mehr Wert für ihre Kunden zu generieren. Wie das Fachmagazin t3n berichtet, ist FutureMe übrigens aus den Prototyping Days, einem jährlich stattfindenden Events bei XING hervorgegangen. Das bestätigt, welche wertvollen Ergebnisse solche Eventformate für Unternehmen liefern können. Wie gezeigt, geben die Daten nicht nur eine Übersicht über Karrierewege und benötigte Qualifikationen, die man sonst mühsam sammeln müsste. Macht man sich die Mühe, mehrere Berufe miteinander zu vergleichen, ergibt sich ein Bild der Realität einer gesamten Branche.


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Katrin Mathis, UX Konzepterin und Service Designerin aus Freiburg

Katrin Mathis
MBA in Service Innovation & Design und BSc in OnlineMedien berät seit über 10 Jahren Unternehmen, die digitale Transformation zum Nutzen ihrer Kunden einzusetzen.

 

Was andere sagen

Bei meiner Vorbereitung einer Vorlesung habe ich Ihre Inhalte entdeckt. Sie haben es drauf! Service Engineering und Blueprint finde ich nirgends so toll erklärt wie bei Ihnen!

Markus V. Burkat,
VMM Unternehmensberatung® und
Dozent an der FOM Hochschule