Digitale Konzepte
mit mehr Wert.

5. März 2013
Als ich 2011 begonnen habe, mich mit Service Design zu beschäftigen, bin ich schnell auch auf Design Thinking gestoßen. Ich habe alles zu Design Thinking gelesen, was ich in die Finger bekam. Um erste praktische Erfahrung zu sammeln, nahm ich im August 2012 an einem Workshop von Daniel Bartel in München teil. Den Workshop fand ich so hilfreich, um Design Thinking innerhalb kürzester Zeit zu erleben, dass ich Daniel Bartel eingeladen habe, einen weiteren Workshop in Freiburg zu halten. Mit 18 Teilnehmenden war der Workshop im März 2013 restlos ausgebucht.

Nicole Armbruster hat mich unterstützt, den Workshop zu organisieren und United Planet hat uns einen Raum in ihrem Trainingscenter zur Verfügung gestellt – herzlichen Dank dafür!

Der komplette Design Thinking Prozess in weniger als einer Stunde

Im Anschluss an eine Einführung in die Design Thinking Methode, waren die Teilnehmenden herausgefordert, eine ideale Geldbörse zu entwerfen. Dieser Schritt fiel den Teilnehmenden unterschiedlich schwer. Die Entwürfe erinnerten stark an die Geldbörsen, die es an jeder Ecke zu kaufen gibt. Während wir oft genauso an Herausforderungen herangehen, wollten wir an dem Tag einen anderen, nutzerzentrierten Ansatz ausprobieren und legten die Entwürfe daher zur Seite.

Für nutzerzentriertes Arbeiten ist es wichtig, die Nutzer und deren Bedürfnisse tiefgehend zu kennen. Für die weitere Übung haben sich die Teilnehmenden in Zweierteams zusammengeschlossen. Die Teampartner haben sich gegenseitig ihre aktuellen Geldbörsen und andere Zahlungsmethoden gezeigt und sich zu ihren Bedürfnissen und Kritikpunkten befragt.

Die herausgearbeiteten Bedürfnisse und Gefühle sowie überraschenden Erkenntnisse wurden in einen Standpunkt ausformuliert, was der Teampartner warum benötigt. Dieser Standpunkt bildete die Grundlage, um drei bis zehn Ideen dazu in knappen 5 Minuten zu skizzieren.

Mit diesen Entwürfen konnten die Teilnehmenden Feedback der Teampartner einholen und ihre Ideen weiterentwickeln. Endlich kamen die Berge an Bastelmaterial zum Einsatz, um die Ideen innerhalb weniger Minuten in greifbare Prototypen zu verwandeln, welche die Teampartner in die Hand nehmen und ausprobieren konnten.

In weniger als einer Stunde durchliefen wir den gesamten Prozess mit einem TimeTimer und dem Gongschlag als ständige zeitliche Beschränkung.

Jeder von uns nutzt jeden Tag eine Geldbörse. Und doch ist es ein alltäglicher Gegenstand, den wir so gut wie nie hinterfragen. Es war spannend zu sehen, dass viele Teilnehmende ähnliche Bedürfnisse und Kritikpunkte haben, wie beispielsweise die Notwendigkeit für Grenzgänger, zwei verschiedene Währungen unterzubringen. Die meisten Nutzer wollen eigentlich gar keine Geldbörse mit unzähligen Karten mit sich herumtragen. Stattdessen hätten sie lieber eine einzelne Karte, die sie für alles nutzen können oder würden mit Gegenständen bezahlen, die sie ohnehin mit sich herumtragen oder die sich als Schmuckstücke tragen lassen. Aus den naheliegenden Ideen aus dem ersten Schritt sind durch die Interaktion mit tatsächlichen Nutzern innerhalb kürzester Zeit wesentlich innovativere Ideen entstanden.

Update 2019: Seit dem Workshop mit Daniel Bartel vor 6 Jahren, habe ich die Übung regelmäßig als eigenständige Einführung oder als Auftakt längerer Workshops und Schulungen moderiert. Sprechen Sie mich an, wenn auch Sie Design Thinking innerhalb kürzester Zeit kennenlernen und ausprobieren möchten!